Stiftung Warentest & Verbraucherzentralen Luftfilter Empfehlungen Luftreiniger gegen Corona: Wundermittel oder Virenschleuder?

Viele Luftreiniger versprechen schädliche Viren, Pilzsporen, Staub und andere Verschmutzungen automatisch zu entfernen und werden häufig als Wundermittel gegen Corona Erreger angepriesen. Wir haben geprüft, in wie fern sie dieses Versprechen erfüllen können und erklären, welche Ansicht die Experten der Verbraucherzentralen und der Stiftung Warentest vertreten.

Kann ein Luftreiniger die Maske ersetzen? Wir sind dieser Frage nachgegangen

Corona Viren per Luftreiniger aus dem Raum filtern – geht das?

Corona Viren verbreiten sich hauptsächlich durch Tröpfcheninfektion oder mittels Aerosole, bei denen es sich grob gesagt um feste oder gasförmige Partikel in der Raumluft handelt. Sie transportieren die Viren.

Die Gefahr von Aerosolen während der Corona-Pandemie hat das Robert Koch Institut im Rahmen einer Studie überprüft und jene mit experimentell hergestellten Sars-CoV-2 Viren angereichert. Das Ergebnis: Laut Bericht waren die Viren über die Aerosole noch nach drei Stunden vermehrungsfähig.

Aerosole aus der Raumluft zu filtern oder durch Lüften deren Anteil zu verringern ist also durchaus sinnvoll. Ob und wie gut dies gelingt, hängt jedoch stark von den Umweltbedingungen ab. So berichtet Stiftung Warentest davon, dass laut Studien eine Minderung der Infektionsrate mit ausgewählten Viren unter Laborbedingungen erfolgreich gelungen, dies aber nicht pauschal auf normale Klimaanlagen übertragbar sei. Denn je nach Modell würden unterschiedliche Partikelgrößen vom integrierten Filter erfasst oder mit zusätzlichen Technologien kombiniert.

Laut einem Bericht der Wirtschaftswoche sagen einige Gastronomen den Viren nicht nur mit HEPA-Filtern den Kampf an, sondern setzen auch auf UV-C Licht zur Erbgutmanipulation des Erregers. So wollen sie den Restaurantbesuch für ihre Gäste sicherer machen, ohne genau zu wissen, ob ihre neu angeschaffte teure Technik die gewünschte Wirkung erzielt. Denn es gibt laut Umweltbundesamt z.B. noch keinen Nachweis, dass die UV-Technik handelsüblicher Geräte Viren wirkungsvoll zerstört.

Grundsätzlich empfehlen Experten wie die Verbraucherzentrale NRW deshalb Luftreiniger eher als Ergänzung zur gründlichen Alltagshygiene zu nutzen. Denn auch bei einer noch so guten Filterung besteht zudem die Gefahr, dass Corona Viren aus der Luft mit der Zeit absinken und sich auf Oberflächen festsetzen, wo Luftfilter oder Klimaanlage nichts mehr ausrichten können.

Luftreiniger helfen nur unter bestimmten Vorraussetzungen gegen Corona Viren

Welche Luftreiniger wirken gegen Corona?

Die Verbraucherzentrale NRW empfiehlt einen Luftreiniger auszuwählen, der einen HEPA-Filter der Klasse H13 oder H14 vorweisen kann. Mit diesem werden nicht nur Viren, sondern auch feinste Partikel aus der Luft gefiltert, die von den Viren besetzt sein können.

Klassische Lüftungsanlagen enthalten hingegen oft nur Filter der Klassen F7 bis F9, die nicht zur Corona-Bekämpfung geeignet sind. Von Luftreinigern mit Ozon rät das Umweltbundesamt sogar ganz ab, weil bei chemischen Reaktionen mit der Raumluft Reizgase entstehen können. Auch UV-Licht kann die Viren theoretisch töten, allerdings zweifeln die Experten an der Effizienz handelsüblicher Geräte und verweisen darauf, dass es bei falscher Anwendung zu Haut- oder Augenschäden kommen kann.

Ebenfalls wichtig: Der Luftfilter muss so aufgestellt werden, dass er die Luft problemlos einsaugen kann ohne die potenziell virenbelastete Luft vor der Reinigung stark aufzuwirbeln.

Philips Luftreiniger gegen Corona, was kann der Testsieger?

Im März 2020 prüfte Stiftung Warentest sieben Luftfilter und Luftreinigungssysteme unterschiedlicher Preisklassen, von denen allerdings nur zwei mit gut bewertet wurden. Philips AC2889/10 mit Appsteuerung errang dabei den Testsieg. 

Er ist laut Hersteller in der Lage 99,97 Prozent aller Schmutzpartikel bis zu einer Größe von 0,02 Mikrometern aus der Luft zu beseitigen und somit auch gängige Viren zu entfernen. Sein Preis ist mit rund 800 Euro jedoch nicht gerade günstig, weshalb wir empfehlen besser auf die Variante Philips AC2887/10 ohne App-Steuerung zurückzugreifen.

Sie reinigt genauso effizient und eignet sich für Wohnungen oder Büros mit bis zu einer Größe von rund 80 Quadratmetern. Außerdem verfügt Philips AC2887/10  über einen Aktivkohle- und NanoProtect S3 HEPA Filter, um Verunreinigungen und Allergene aus der Luft zu entfernen. Nur die Bedienung per App ist hier leider nicht möglich.

Eine günstige Alternative für kleinere Wohnräume bis 40 Quadratmeter stellt hingegen der von uns ausgewählte Levoit Luftreiniger dar. Er arbeitet mit nur 24 Dezibel Geräuschemission angenehm leise und bietet dank abschaltbarem Anzeigelicht und Displaysperre viel Komfort.

Sein H13 HEPA-Filter entspricht der Filterklassen-Empfehlung der Verbraucherzentrale NRW. Darüber hinaus verzichtet er auf UV- oder Ionen-Technologie, was der Umwelt zu gute kommt. Ein praktischer Timer rundet die Ausstattung dieses günstigen Luftfilters ab.

Luftreiniger gegen Corona Test Check - was ist bereits bewiesen?

Die Meinungen ob und wie stark Luftreiniger Corona Viren entfernen gehen bei unterschiedlichen Experten stark auseinander.

Die Universität der Bundeswehr in München veröffentlicht z.B. im August 2020 eine Studie in der die Wirkung von Luftreinigern gegen Corona untersucht wurde. Die Forscher wiesen dabei nach, dass die im Test genutzte F7 + H14 Filterkombination Aerosolkonzentration in kleineren und mittleren Räumen niedrig halten kann. Profigeräte mit auf 100 Grad aufheizbarem Filter, wie in der Studie sind allerdings für Privatverbraucher nicht ohne weiteres verfügbar, weshalb die Empfehlung der Experten einmal täglich für 30 Minuten den Filter durchzuerhitzen, um darin gesammelte Viren abzutöten, schwer umsetzbar sein dürfte. 

Abgesehen davon warnen die Experten in ihrer Studie davor komplett auf die herkömmliche Lüftung zu verzichten, da auch ein guter Luftreiniger diese nicht vollständig ersetzen könne.

Die Innenraumlufthygiene Kommission (IRK) am Umweltbundesamt sieht in Luftfiltern ebenfalls keinen Ersatz für konsequente Lüftungsmaßnahmen.

Stiftung Warentest hat Ende Oktober ein Corona Special veröffentlicht, das allgemeine Ratschläge zu Hygienemaßnahmen umfasst. Die Bewertung der Luftreiniger im letzten Test (03/2020) sei aber noch nicht unter dem Gesichtspunkt der Virenentfernung erfolgt, so die Experten.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Die meisten Fachleute sind überzeugt, dass Luftfilter die Virenkonzentration verringern, aber nicht komplett minimieren können und empfehlen deshalb weiterhin Abstand zu halten und regelmäßig zu lüften. Luftfilter sind also eine gute Ergänzung, jedoch leider kein Wundermittel.

Können Corona Viren durch Klima- oder Lüftungsgeräte im Raum verteilt werden?

Ob Klimaanlagen und ähnliche Systeme schädliche Viren aus der Raumluft filtern oder sie sogar noch mehr darin verteilen, ist umstritten. Ein aktueller Beitrag der Stiftung Warentest verweist darauf, dass eine Verbreitung der Viren über Belüftungssysteme nicht auszuschließen sei. Denn die Tröpfcheninfektion sei zwar laut aktuellen Studien die häufigste Ansteckungsursache, doch auch in trockener Luft könnten Coronaviren einige Stunden überleben.

Das Umweltbundesamt empfiehlt deshalb Klimageräte so einzustellen, dass sie eine relative Raumluftfeuchte von 40 bis 60 Prozent erzielen und so Corona Viren schnell absterben lassen. Ebenfalls nützlich: Mobile Monoblock-Klimageräte, die Raumluft aufnehmen und über einen Abluftschlauch ins Freie leiten.

Grundsätzlich muss man aber keine große Angst davor haben, dass die eigene Klimaanlage Keim- oder Virenschleuder werde, so das Umweltbundesamt. Wer sich ganz sicher sein möchte, kann jedoch die Anlage ausschalten, wenn sich erkältete Personen im Raum aufhalten.

Welche (Zusatz-)Maßnahmen helfen gegen Corona?

Auch für die Corona Pandemie gilt: Vorsorge ist die beste Abwehrmethode. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung empfiehlt deshalb sich an der A-H-A Formel zu orientieren. Das erste A darin steht für Abstand, der immer mindestens 1,5 Meter zu weiteren Personen betragen sollte.

Das H symbolisiert die hohe Bedeutung von grundlegenden Hygienemaßnahmen, wie mindestens 20 bis 30 Sekunden gründliches und regelmäßigem Händewaschen oder Niesen und Husten in die Armbeuge. Zudem sollte man aktuell niemandem zur Begrüßung die Hand geben und Arbeitsgegenstände möglichst nicht mit anderen gemeinsam nutzen.

Das zweite A in der A-H-A Formel soll daran erinnern immer eine Alltagsmaske oder Mund-Nasen-Bedeckung beim Kontakt zu anderen Menschen zu nutzen.

Die Stiftung Warentest empfiehlt außerdem in ihrem Hygieneratgeber bei gemeinsamem Aufenthalt in geschlossenen Räumen regelmäßig zu lüften und, wo möglich, nur in kleinen Teams zusammen zu arbeiten.

Lüften hilft nicht nur gegen Corona Viren, sondern beugt auch Schimmelentstehung vor

Wo finde ich seriöse Informationen zu Corona?

Der Trend zur Selbstdiagnose boomt aktuell ebenso, wie zahlreiche mehr oder minder fragwürdige Medizintheorien selbst ernannter Experten. Seriöse und sehr fundierte Informationen zur Entwicklung und zum Umgang mit dem Corona Virus sind dagegen z.B. bei folgenden Organisationen zu finden:

homeandsmart Redaktion Mariella Wendel

Sammelte schon im Studium Erfahrungen mit innovativen Ambient Assisted Living Geräten und bloggte viele Jahre darüber. Mariella Wendel gehört von Anfang an zum home&smart-Redaktionsteam und testete die Echo Lautsprecher bereits vor der Markteinführung in Deutschland. Außerdem verfasste sie 2017 die erste umfassende Übersicht Alexa kompatibler Geräte. Heute zählen außerdem intelligente Haushalts-Gadgets und fernsteuerbare Gartengeräte zu ihren Lieblingsthemen.