Bienenvölker mittels Kamera überwachen apic.ai – mit künstlicher Intelligenz gegen das Bienensterben

Das Karlsruher Start-up apic.ai möchte die Bienen in Deutschland mithilfe von künstlicher Intelligenz erforschen und Imkern bei der Erhaltung ihrer Bienenvölker helfen. Dazu hat das junge Unternehmen einen kleinen Holzkasten konzipiert, der an den Eingang der Bienenstöcke montiert wird. Im Inneren des Kastens befinden sich ein Mikrocomputer und eine Kamera mit intelligenter Bilderkennung. Auf diese Weise wird die Aktivität der Bienen genauestens erfasst und mögliche Ursachen für das Insektensterben ausgemacht.

Dieser unscheinbare Kasten am Eingang zum Bienenstock enthält eine Kamera mit KI

Mit Überwachung von Bienenvölkern gegen Bienensterben

Bienen sind für unsere Ökosysteme von großer Bedeutung. Entsprechend besorgniserregend ist der Rückgang der Bienenvölker in Deutschland. Gründe dafür sind unter anderem Krankheitserreger, der Einsatz von Pestiziden und die Reduktion von landwirtschaftlichen Flächen. Oft wissen die Imker jedoch nicht, warum ihre Bienenpopulationen schwinden, und können dem daher auch nicht entgegenwirken. Das Karlsruher Start-up apic.ai hat sich dieser Problematik angenommen und ein System entwickelt, das den Imkern dabei hilft, ihre Bienenvölker genau zu überwachen und mögliche Probleme frühzeitig zu erkennen. Über eine Kamera und einen Minicomputer, die im Eingang der Bienenstöcke platziert werden, können Bilder der Bienenaktivität aufgezeichnet und mittels künstlicher Intelligenz ausgewertet werden. Der Imker soll die so gewonnenen Informationen jederzeit abrufen können.

apic.ai: Bienenkasten mit Kamera und Minicomputer

apic.ai ist ein kleiner Kasten aus Holz, der von außen unauffällig aussieht. Im Inneren dieses Kastens befinden sich eine Kamera, die pro Sekunde vierzig Bilder aufnimmt, und ein Mikrocomputer, der über eine Software mit künstlicher Intelligenz verfügt. Der Kasten wird am Eingang des jeweiligen Bienenstocks montiert, sodass die Bienen auf jeden Fall den Kasten passieren müssen, um in das Innere des Bienenstocks zu gelangen. Auf diese Weise wird sichergestellt, dass jede Biene, die den Bienenstock verlässt oder erreicht, von der Kamera erfasst wird. Ein intelligentes Programm wertet die aufgezeichneten Bilder anschließend aus. Konkret kann die Bienenaktivität durch das apic.ai-System auf die nachfolgenden Aspekte hin untersucht werden:

Ungewöhnliches Verhalten der Bienen

Das System erkennt, ob sich die Insekten in irgendeiner Form ungewöhnlich verhalten. So kann der Imker sofort auf Räuberei aufmerksam gemacht werden oder das Schwärmen der Bienen frühzeitig wahrnehmen. Damit weiß der Imker, inwiefern sein Bienenvolk gerade kurz davor ist, sich zu teilen.

CEO Katharina Schmidt ist Imkerin aus Familientradition

Messung des Polleneintrages

Über die von der Kamera erstellten Bilder lässt sich erfassen, wie viele Pollen die Bienen eintragen. Geringe Sammelerfolge über einen längeren Zeitraum sind zum Beispiel ein Hinweis auf eine mögliche Trachtlücke. Für den Imker ist diese Information wichtig, da er so besser feststellen kann, wann er seine Bienen füttern muss. Auch Empfehlungen für die lokale Bepflanzung lassen sich daraus ableiten.

Erfassung der Bienengesundheit

Die Software von apic.ai wurde so programmiert, dass sie die bedrohlichen Varroamilben auf den Bienen erkennt und zählt. Anhand der Anzahl der Milben, die auf den Flugbienen erkannt wird, lassen sich Schlüsse zum Befall des gesamten Bienenvolkes ziehen. Sobald die Varroa-Belastung einen kritischen Bereich erreicht, warnt das System den Imker. Auf Basis der gewonnenen Informationen über den Befall seines Volkes kann der Imker dann die Krankheitsbehandlung vornehmen oder entsprechend anpassen.

Aus- und einfliegende Bienen werden von apic.ai ebenso erfasst wie Polleneintrag und eventuelle Milben

Bewertung der biologischen Vielfalt mit apic.ai

Das Start-up legt Wert auf den Erhalt der biologischen Vielfalt und möchte mit apic.ai einen Teil dazu beitragen. Bienen und Natur stehen in einer engen Beziehung zueinander. Aus diesem Grund lassen die gewonnenen Informationen über die Gesundheit und das Trachtangebot der Bienen Rückschlüsse auf die Gesundheit des lokalen Ökosystems zu. apic.ai hilft somit, Grundstücke, Städte, Kommunen und landwirtschaftlich genutzte Flächen nachhaltig zu gestalten.

Fragezeichen hinter der Bereitstellung der Daten

Die von apic.ai erfassten Daten sollen sich jederzeit über Smartphones oder PCs abrufen lassen. Neben dem Abruf der Daten sollen die Imker zudem sofort über mögliche Probleme informiert werden. Aktuell ist leider noch nicht viel über die konkreten Funktionen einer möglichen App oder der Webseite, über welche die Daten bereitgestellt werden, bekannt.

Fazit: Welt der Bienen erforschen mit apic.ai

apic.ai könnte schon in naher Zukunft einen wichtigen Beitrag zur Erforschung und Erhaltung der Bienenvölker leisten. Die Idee, die Bienenaktivität über eine Kamera mit künstlicher Intelligenz direkt am Bienenstock zu überwachen, ist gut durchdacht. Imker wissen dadurch stets genau, wie es aktuell um ihre Bienenvölker steht, und können frühzeitig auf entstandene Probleme reagieren. Leider macht das Unternehmen hinsichtlich des Abrufes der gesammelten Daten sowie des damit verbundenen Geschäftsmodells noch keine Aussage.

apic.ai als datengetriebenes Business-Modell?

Das Geschäftsmodell wird von apic.ai selbst als datengetrieben bezeichnet. Dementsprechend sollen Landwirte und Versicherer die über das System gesammelten Daten kaufen können. Wie das allerdings konkret aussieht und welche Preise hier erwartet werden können, ist noch nicht bekannt. Aktuell befindet sich apic.ai noch in einer Testphase.

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homeandsmart Redaktion David Wulf

Leitet nach dem Studium Wirtschaftsingenieurwesen und Praktika in der Energiewirtschaft das Portal bei homeandsmart.de. Mit dem ersten Kaffee bereits die neuesten Marktentwicklungen und Nachrichten rund ums Smart Home. Spinnt die Fäden im Hintergrund und schreibt an vorderster Front – immer die Frage im Kopf: Wie sieht das Leben von morgen aus?